Intel Skull Canyon-Mini PC (NUC6i7KYK) im Test

Intels „NUCs“ gehören zu den beliebtesten Mini-PCs (Übersicht hier) überhaupt. Der Skull Canyon (genaue Bezeichnung NUC6i7KYK mit einem Skylake i7-6770HQ-Prozessor ist dabei das aktuell leistungsfähigste Modell der handlichen Kompaktrechner-Reihe. Es soll vor allem Gamer ansprechen. Ob das klappt, zeigt unser Test.

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Die Basiskomponenten

Der Name „Skull Canyon“ ist zunächst mal etwas irreführend. Es handelt sich dabei nicht um den Codenamen einer Prozessorgeneration nach dem bekannten Schema. Normalerweise stehen die Namen für eine bestimmte CPU-Architektur, so etwa „Rock Canyon“ für Mini-PCs mit Broadwell-CPU oder „Swift Canyon“ für Modelle mit Skylake-Prozessor. „Skull Canyon“ aber ist keine neue CPU-Architektur, sondern ebenfalls mit einem Skylake-Prozessor bestückt, es handelt sich also grundsätzlich um die gleiche Technik wie in einem Swift-Canyon-Mini-PC, etwa dem NUC6i5SYH.

Dennoch zeigt sich schon beim Preis, dass Intel hier eher ambitioniertere Mini-PC-Käufer ansprechen will. Mehr als 600 Euro kostet der kleine Rechner in der bei Kompaktrechnern üblichen Barebone-Variante – das heißt, es kommen noch die Kosten für Speicher, eine Festplatte/SSD sowie ggf. Betriebssystem, Maus und Tastatur hinzu.

Für die Summe gibt es dann auch nahezu alle Anschlüsse, die man bei einem Mini-PC erwarten kann – neben USB 3.0 auch Thunderbolt, das es zum Testzeitpunkt bei kaum einem anderen Minirechner gab. Besonders bemerkenswert ist aber sicherlich die Iris Pro 580-Grafik (Skylake GT4e), die letztlich auch die Spiele-Eignung sicherstellen soll. Bei dem Baustein handelt es sich um den schnellsten verfügbaren Grafikchip, der onboard bzw. onchip verbaut werden kann.

Ebenfalls relativ einzigartig sind zwei M2-Anschlüsse; besetzt man beide mit SSDs, so lassen sich diese auch im RAID betreiben.Auch die insgesamt drei Grafikanschlüsse, die den Betrieb von drei Monitoren im 4K-Modus erlauben, sind nicht unbedingt alltäglich.

Als kleinen Bonus gibt’s dann noch einen austauschbaren Deckel, der sich individuell gestalten lässt – vorausgesetzt, man nennt einen 3D-Drucker sein eigen (mehr Details auf der Cover-NUC-Seite). Eine Ersatzblende ohne Totenkopf-Motiv liegt übrigens schon bei.

Anschlüsse des NUC6i7KYK in der Übersicht (Bild: Intel)

Anschlüsse des NUC6i7KYK in der Übersicht (Bild: Intel)

PC-Komponenten und Layout

Der Skull Canyon ist etwas anders aufgebaut als die anderen Mini-PCs der NUC-Serie. Das Gehäuse ist eher länglich gehalten und nicht quadratisch aufgebaut; schraubt man es auf, fällt vor allem der für Minirechner enorm großzügig gestaltete Lüfter auf. Dabei wurden die Komponenten so arrangiert, dass alle auf- und umrüstbaren schnell zu erreichen sind – diese sind auf der Platinen-Oberseite untergebracht. Speicher und M2-Festplatten lassen sich so mit wenigen Handgriffen ein- und ausbauen.

Die beiden Speichermodul-Fassungen lassen sich mit maximal 32 GByte DDR4-Speicher bestücken, für unseren Test haben wir 2 x 8 GByte RAM sowie eine 512-GByte-SSD verwendet.

Intel-Mini-PC nach dem Öffnen (Bild: eigene)

Intel-Mini-PC nach dem Öffnen (Bild: eigene)

Baut man die Platine komplett aus, offenbaren sich auf der Rückseite die Kernkomponenten, allen voran der Prozessor samt integriertem Grafikkern. Hier offenbart sich auch das Kühlungskonzept: Der Chip wird von einem massiven Heatspreader samt Kupfer-Heatpipe gekühlt. Die Hitze wird über die Pipe zum Lüfter transportiert und dort nach außen geblasen. Der kleine Lüfter sieht aus, als würde er nervige Geräusche von sich geben. In der Praxis läuft er aber meist mit reduzierter Drehzahl und somit einigermaßen leise und angenehm.

Prozessor und Grafikchip

Das Highlight des kleinen Gaming-Zwergs ist der Prozessor, ein Core i7-6770 HQ. Dieser ist ein vollwertiger Quadcore-Chip, eine eher seltene Erscheinung bei Mini-PCs; meist steckt nur ein Dualcore- oder – wenn mit vier Kernen geworben werden soll – ein Atom-Chip im Sockel. Beim Skull Canyon dagegen sind nicht nur vier Kerne mit an Bord, sondern auch noch Hyper-Threading, was für acht Felder im Task-Manager sorgt, sonst in der Praxis aber wenig Auswirkungen hat (Hintergrund: Hyper-Threading simuliert einen zusätzlichen Prozessorkern, was die vorhandenen Ressourcen besser auslasten soll; spürbar ist das aber meist nur bei sehr seltenen Anwendungsszenarien).

Die CPU taktet standardmäßig mit 2,6 GHz und beschleunigt auf bis zu 3,5 GHz Turboboost, sofern es das TDP-Budget erlaubt. Die maximale thermische Verlustleistung (TDP) beziffert Intel mit moderaten 45 Watt. Die vergleichsweise geringe TDP führt dann auch dazu, dass der Lüfter zumindest bei Office-Anwendungen relativ leise bleibt.

Der Grafikbaustein ist mit 350 bis 950 MHz getaktet; er soll außerdem vom 128 MByte großen L4-Cache, der im i7-6770 HQ verbaut ist, profitieren. Dank der Thunderbolt-Schnittstelle kann übrigens auch eine externe Grafiklösung verwendet werden, etwa ein Dock wie das von Razer.

Office-, Anwendungs- und Spieleleistung im Test

Kommen wir zu den Leistungsdaten: Wie zu erwarten ist, fällt die Anwendungsleistung sehr gut aus: Im Extremfall, bei außerordentlich guter Auslastung aller Kerne (hier fällt dann auch Hyper-Threading ins Gewicht), erreicht der NUC 6i7KYK Spitzenwerte, die sonst nur bei einem Desktop-Rechner zu erreichen sind. 704 Punkte haben wir im Cinebench (R15) gemessen, das ist nicht nur der Bestwert aller bislang bei uns getesteten Mini-PCs, sondern auch genug, um die meisten Mittelklasse-Desktop-PCs zu schlagen.

Bei alltäglicheren und etwas praxisnäheren Aufgaben wie Truecrypt, 7Zip oder Videoencodern kann sich der Mini-PC ebenfalls gut behaupten und liegt durchweg an der Spitze aller Minirechner. Allerdings ist nun der ein oder andere Desktop-Rechner schneller, unter anderem auch die brandneuen Ryzen-Modelle von AMD. Dies ist vor allem auf die Taktfrequenz zurückzuführen, die bei vielen Mittel- und Oberklasse-Modellen höher liegt. Rein subjektiv ist der 6i7 aber jederzeit „Herr der Lage“ und hinreichend schnell.

Bei Spielen sind dagegen einige deutliche Einschränkungen vonnöten. Zwar ist die integrierte Grafik des Mini-PCs das Beste, was derzeit verfügbar ist, doch an die Leistung einer externen Grafikkarte, wie sie in vollwertigen Desktop-Rechnern verwendet wird, reicht sie nicht heran. Der Vorsprung einer Mittelklasse-Grafikkarte beträgt das Doppelte bis Dreifache. So bleibt nur die Möglichkeit, entweder auf ältere und anspruchslosere Titel auszuweichen oder die Qualität aktueller Spiele soweit herunterzuregeln, dass diese flüssig laufen – doch sieht die Grafik dann oft matschig aus und einzelne Ruckler sind trotzdem nicht zu vermeiden. Dies gilt allerdings nur für Vollpreis-Produkte wie GTA5, Die Sims 4 oder Mass Effect. Einfache Spiele wie der Landwirtschafts-Simulator 2017 und Browserspiele sind aber fast ohne Qualitätseinbußen zockbar.

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Lautheit, Wärme und Stromverbrauch

Im Alltag ist der NUC 6i7KYK meist leise, aber doch spürbar lauter als die anderen NUC-PCs. Dies liegt natürlich an der deutlich besseren Ausstattung. Dennoch könnte es für empfindliche Naturen gerade bei höheren Lasten, etwa der De- bzw. Encodierung von 4K-Videomaterial, zu viel des Guten sein.

Normales Videostreaming ist aber kein Problem und der kleine Rechner dann auch kaum wahrnehmbar. Die Leistungsaufnahme („Stromverbrauch“) liegt bei 15 bis 20 Watt im Leerlauf. Sie steigt auf bis zu 80 Watt, wenn der PC voll ausgelastet ist, also CPU und GPU deutlich belastet werden. Im Alltag bewegt man sich meist zwischen 20 und 40 Watt, je nach Auslastung.

Schließlich noch ein Wort zur Wärmeentwicklung. Der NUC6i7KYK wird im Betrieb recht warm: Gemeint ist damit sowohl die Temperatur im Inneren des PCs als auch die am Gehäuse (an bestimmten Regionen) – dies ist der Preis für die ordentliche Leistung. Achten Sie daher darauf, den kleinen Lüfter regelmäßig zu säubern; andernfalls wird dieser im Laufe der Zeit immer lauter und der Prozessor möglicherweise nicht mehr ausreichend gekühlt, was zur Folge hätte, dass sich dieser heruntergetaktet und langsamer läuft als vorgesehen.

Fazit: Intel NUC 6i7KYK im Test

Der Intel-Mini-PC mit dem Totenkopf setzt Maßstäbe: Kaum ein Mini-Rechner bietet so viel Ausstattung und Leistung fürs Geld. Dafür ist er aber auch etwas lauter, wärmer und vor allem teurer als die Konkurrenz. Wer eine günstigere Alternative sucht, sollte sich den 6i5SYH ansehen. Wer bei Spielen mehr Leistung braucht, wird eventuell mit der Zotac Zbox Magnus EN970 glücklich (Test in Vorbereitung, Übersicht hier). Übrigens: Wer den Zusammenbau scheut, kann auf fertig konfigurierte Varianten des NUC6i7KYK zurückgreifen, die es etwa von gecCOM gibt.

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Noch einmal die wichtigsten Daten im Überblick:

  • Exzellente Leistung (für diese Geräteklasse)
  • Beste integrierte Grafiklösung
  • Sehr gute Ausstattung (2x USB 3.0, Mini-Displayport, HDMI 2.0, Thunderbolt 3 (USB-Type-C-Stecker))
  • Deckel wechselbar
  • Moderate Laustärke und Wärmeentwicklung
  • Etwas größer als vergleichbare NUC-PCs.
  • Teuer

Ergänzende Ressourcen zu dem Mini-PC:

Leistungswerte im Überblick:

  • Ausstattung: 95%
  • Leistung: 95%
  • Platz 1 in der Bestenliste aller getesteten Mini-PCs

Bilder

Video zum Intel Skull Canyon (kein Test)

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(Preis zum Testzeitpunkt, kann mittlerweile höher sein, Bildquelle: Amazon/Intel, eigene)

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