Mini-PC-Kaufberatung

Mini-PCs vereinen kompaktes Design mit reichlich Leistung. Mittlerweile sind die Miniatur-Alleskönner erschwinglich und machen Desktop-PCs, Notebooks und Set-Top-Boxen ernsthafte Konkurrenz. Worauf Sie beim Kauf achten sollten, verraten wir Ihnen hier.

mini-pcs photo

Mini-PC, hier von Intel (Foto by vernieman)

Was genau sind Mini-PCs?

Eine einheitliche Definition, was ein Mini-PC ist, existiert bis dato leider nicht. Die Größen von Mini-PCs reichen von der eines Speichersticks bis hin zu der eines dickeren Tablets. Im Unterschied zu Tablets haben Mini-PCs aber keinen eigenen Bildschirm, für gewöhnlich aber ein vollwertiges Betriebssystem (meist Windows, seltener Android) und je nach Größe mehr Leistung.

Als Speicher kommt in der Regel Flash/SSD zum Einsatz. Damit einher geht ein im Vergleich zu Festplatten geringerer Speicherplatz, aber auch schnellere Ladezeiten. Teilweise sind Mini-PCs passiv gekühlt, was sie zu lautlosen Dauerläufern macht. Die Leistungsaufnahme liegt in der Regel unter der von Notebooks. Gerade im Idle-Modus verbrauchen sie oft weniger als fünf Watt. Selbst wenn Sie einen Mini-PC ein Jahr lang 24 Stunden am Tag in Betrieb haben, ergeben sich so Stromkosten von weniger als zehn Euro. Selbst unter Last liegt der Stromverbrauch selten über 20 Watt.

Nicht alle Mini-PCs kommen als vollwertige und direkt einsatzfähige Geräte auf den Markt. Arbeitsspeicher und Festplatte fehlen teilweise. Der Vorteil ist, dass die restlichen Komponenten den eigenen Bedürfnissen angepasst werden können. Wer nicht selbst an dem Mini-PC rumbasteln will, der sollte auf ein vollwertiges System achten.

Die Abgrenzung fällt nicht immer leicht. Ähnliche Systeme sind Home Theater Personal Computer (HTPC), die hauptsächlich als Mediacenter-PCs bekannt sind, und Barebones, die ebenfalls nicht voll ausgestattet, einfach erweiterbar und in der Regel etwas größer als Mini-PCs sind.

Hier noch einmal die wichtigsten Vorteile eines Mini-PCs im Überblick:

  • Sehr leise oder sogar lautlos im Betrieb
  • Sehr geringer Stromverbrauch
  • Schnelle Ladezeiten (bei Verwendung einer SSD)
  • Kompakter Formfaktor
  • Geringe Wärmeentwicklung
  • Geringere Anschaffungskosten, viel geringere Betriebskosten

Verwendungsgebiete

Ihren Einsatzbereich finden Mini-PCs meist als Mediacenter oder Office-PC – seltener als Spielemaschine. Denn für aufwendige 3D-Spiele fehlt oft die Leistung. Für den Büro-Alltag taugen in der Regel aber alle Mini-PCs, auch zum Surfen oder als FullHD-Streaming-Maschine sind die meisten Geräte ideal. Durch den geringen Stromverbrauch und den nicht selten lautlosen Betrieb können Mini-PCs auch non-stop eingesetzt werden.

An einen Bildschirm angeschlossen werden die Geräte in der Regel per HDMI. Mini-Stick-PCs werden nicht selten auch direkt in den HDMI-Slot gesteckt. Manche Mini-PCs können an die VESA-Halterung eines Fernsehers angebracht werden. Andere lassen sich direkt an der Monitorrückseite befestigen. Die Stromversorgung erfolgt meistens per externem Netzteil, seltener über USB.

Kaufen Sie einen Mini-PC, wenn Sie einen preiswerten und/oder Platz sparenden Office- und Arbeits-PCs brauchen bzw. ersetzen möchten. Auch als Multimedia-Gerät in Wohn- oder Schlafzimmer sind die bestens geeignet.

Wichtige Fragen beim Kauf eines Mini-PCs

Wenn Sie sich zum Kauf eines Mini-PCs entschieden haben, müssen Sie die wesentlichen Austattungsmerkmale festlegen. Die folgenden Abschnitte helfen bei der Auswahl.

Die (Festplatten-)Speicherfrage

Festplatte oder SSD beim Mini-PC kaufen (Bild: Intel)

Festplatte oder SSD beim Mini-PC kaufen (Bild: Intel)

Die zunächst offensichtlichste Frage ist die der Festplattengröße. Ist Windows 10 installiert, sind inklusive Updates schnell bis zu 16 Gigabyte Speicher belegt. Da viele Mini-PCs von Haus aus aber nur 32 Gigabyte mitbringen, stößt man hier schnell an die Grenzen. Mit 64 Gigabyte arbeitet es sich auf Dauer deutlich angenehmer.

Natürlich heißt das nicht, dass die „Hauptplatte“ 64 Gigabyte haben muss. Wichtiger ist, dass sich der Speicher erweitern lässt. Entweder per SD-Slot oder – besser – per zusätzlichem 2,5-Zoll-Schacht samt passendem Anschluss oder mSata-Slot. Natürlich können Sie einige Daten auch in die Cloud auslagern.

Genauso wichtig wie die Größe ist die Geschwindigkeit. Hat Ihr Mini-PC eine vollwertige SSD integriert, können Sie aufatmen. Verfügt der Mini-PC aber nur über ein eMMC-Laufwerk, dann müssen Sie mit Leistungseinbußen rechnen.

Achten Sie darauf, dass sich der Festplatten-Speicherplatz erweitern lässt. Ideal ist außerdem eine schnelle SSD mit mindestens 64 GByte als Basis-Speicher.

Die Arbeitsspeicherfrage

Windows ist arbeitsspeicherhungrig. Das war schon immer so und ist auch in der aktuellen Version 10 nicht anders. Die gute Nachricht ist, dass fast alle Mini-PCs mindestens zwei Gigabyte Arbeitsspeicher an Bord haben. Das reicht, um Windows flüssig darzustellen. Wesentlich besser ist die Performance aber mit vier Gigabyte. Gerade, wenn Sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen wollen, brauchen Sie mehr Arbeitsspeicher.

Vorsicht: Nicht alle Mini-PCs sind in dieser Hinsicht erweiterbar! Manchmal ist der Arbeitsspeicher auf der Hauptplatine fest verlötet.

Ein Mini-PC sollte mindestens 2 GByte Arbeitsspeicher (RAM) haben.

Die Prozessorfrage

Intel-Atom-Prozessoren (hier auf einem Wafer; Bild: Intel)

Intel-Atom-Prozessoren (hier auf einem Wafer; Bild: Intel)

Die Prozessorwahl ist eine Wissenschaft für sich. Für den Otto-Normalverbraucher sind die Bezeichnungen zu kryptisch. Selbst wer sich etwas mit Hardware auskennt, muss doch bei den meisten Prozessornamen erst recherchieren. Zu viele Modelle mit zu unterschiedlichen Leistungsdaten gibt es mittlerweile. Fest steht: Der Prozessortakt (GHz) sagt immer weniger über die Leistung des Geräts aus. Auch die „Kernfrage“ – also wie viele Prozessorkerne es gibt – muss nichts heißen. Es gibt viele Dual-Core-Systeme, die schneller sind als ihre Quad-Core-Pendants. Hier hilft oft nur selbst recherchieren.

Gut fahren Sie in der Regel mit Intel-Prozessoren ab der vierten Generation (Haswell). Besser, vor allem im Energiemanagement, sind die Prozessoren der Broadwell– und Skylake-Reihe. AMD-Prozessoren werden in diesem Segment bislang leider nur relativ selten eingesetzt.

Bei vielen Mini-PCs kommen Prozessoren zum Einsatz, die für sparsame Hardware wie NAS-Systeme oder auch Tablets konzipiert wurden. Diese zeichnen sich durch eine geringe Leistungsaufnahme von um die fünf bis zehn Watt aus. Bei Intel greifen viele Mini-PC-Hersteller gerne zu Atom-Prozessoren. Diese sind trotz möglicherweise höherer Kern- und Taktzahl jedoch deutlich langsamer als die „vollwertigen“ Prozessoren für den Desktop (Core i5, Core i7). Schließlich trifft man noch gelegentlich auf Celeron-Prozessoren; diese füllen gewissermaßen die Lücke zwischen Atom und Core i3/Core i5. Gegen den Kauf eines solchen Chips ist bei Mini-PCs (anders als bei Desktop-Rechnern) nichts einzuwenden.

Achten Sie bei der Intel-Prozessorbezeichnung auf den Buchstaben an der letzten Stelle. H, M, U oder Y sind ein Zeichen für einen Prozessor für Mobilgeräte, K, R, S, T oder ein fehlender Buchstabe weisen auf einen schnelleren Prozessor für Notebooks oder Desktop-PCs hin.

Für Office-PCs reicht ein Atom-Prozessor. Mehr Leistung für anspruchsvollere Aufgaben bietet ein Core i5. Gegen Celeron- und AMD-Prozessoren spricht nichts.

Die Grafikfrage

Bei so gut wie allen Mini-PCs ist die Grafikkarte, besser gesagt: der Grafikchip in Form eines zusätzlichen Kerns, im Prozessor integriert. Trotzdem gibt es hier enorme Unterschiede. Reichen für Office-Aufgaben und Streaming quasi alle Grafikeinheiten aus, sieht es bei Computerspielen anders aus. Hier richtet sich die Grafikkartenqualität vor allem nach der Prozessorqualität. Ein leistungsstarker Prozessor hat in der Regel auch eine leistungsstärkere GPU.

Für moderne PC-Spiele reicht aber kaum ein Onboard-Chip aus. Wollen Sie dennoch auch auf moderne Spiele nicht verzichten, ist Cloud-Gaming (beispielsweise Nvidias GeforceNow) eine Alternative. Dabei werden PC-Spiele nicht direkt auf Ihrem PC geladen, sondern gestreamt. Trotzdem können Sie die Spiele ganz normal bedienen und spielen – eine potente Internetverbindung vorausgesetzt.

Zum Spielen taugen Mini-PCs nur bedingt. Lediglich einfache Games a là Minecraft laufen problemlos.

Die Anschlussfrage

In der Regel bringen die Mini-PCs WLAN bereits mit. Die Zahl der USB-Ports variiert zwischen eins und fünf. Bei zu wenigen USB-Slots lohnt sich die Anschaffung eines USB-Hubs, der aus einem Anschluss mehrere macht. Leider gibt es immer noch viele Hersteller, die ausschließlich auf den „alten“ 2.0-USB-Standard setzen, statt den neuen, bis zu zehn Mal schnelleren USB-3.0-Standard zu unterstützen.

Bluetooth 4.0 ist bei den meisten Geräten dabei und erlaubt Ihnen, diverse Eingabegeräte und auch entsprechende Kopfhörer kabellos mit dem Mini-PC zu verbinden. Ist das nicht der Fall, können Sie es aber auch per USB-Adapter nachrüsten. Ein Lan-Kabel findet auch in den meisten Mini-PCs zuschlupf, genauso wie der klassische Klinkenstecker für Soundgeräte. Deutlich selten sind Card-Reader und Kensington-Locks.

Wenigstens ein HDMI-Ausgang ist dafür die Regel. Einen (Mini)-Displayport haben dagegen nicht alle Geräte. Darauf sollten Sie achten, wenn Sie beabsichtigen, Inhalte in 4K-Auflösung zu übertragen.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Mini-PC über USB-3.0-Ports, WLAN und ggf. weitere Schnittstellen verfügt.

Mini-PC kaufen: Was sonst noch wichtig ist

Je nach Einsatzgebiet ist die Lautstärke des Mini-PCs ein mehr oder weniger wichtiges Thema. Ist ein lautloser Betrieb gewünscht, so sollte der Mini-Rechner passiv gekühlt sein. Hat das Wunschmodell einen Lüfter, so können Sie diesen in der Regel auch gegen ein leiseres Modell tauschen.

Bei Multimedia-Mini-PCs ist es praktisch, wenn man das PC-Gehäuse direkt am Fernseher fixieren kann. Da die meisten Modelle keine entsprechenden Vorrichtungen mitbringen, müssen Sie auf eine Universallösung ausweichen. Der Fachhandel hält solche Befestigungs-Mechanismen unterm dem Begriff „VESA“-Halterung bereit.